Zum Jahrestag der Verleihung des Namens Wilhelm Pieck

an die Jugendhochschule, 14.September 1950

Persönliche Begegnungen mit Wilhelm Pieck

... gegründet am 22.Mai 1946
... gegründet am 22.Mai 1946
Erstmalig besuchte Wilhelm Pieck am 26. Juni 1946 die neu eröffnete Jugendhochschule, hier im Gespräch mit Studenten des 1. Lehrganges nach seiner Vorlesung.
Erstmalig besuchte Wilhelm Pieck am 26. Juni 1946 die neu eröffnete Jugendhochschule, hier im Gespräch mit Studenten des 1. Lehrganges nach seiner Vorlesung.
Wilhelm Pieck bei seiner Eintragung in das Gästebuch der Jugendhochschule anläßlich der Namensgebung am 14. September 1950
Wilhelm Pieck bei seiner Eintragung in das Gästebuch der Jugendhochschule anläßlich der Namensgebung am 14. September 1950
14. September 1950 - Gespräch mit Schülern
14. September 1950 - Gespräch mit Schülern
Der Präsident der DDR informiert sich über den Fortgang der Bauarbeiten
Der Präsident der DDR informiert sich über den Fortgang der Bauarbeiten

Von Dr. Helmut Steinbach, Lehrer und Lehrgangsleiter an der Jugendhochschule "Wilhelm Pieck"

Am 14. September 1950 gab der damalige Präsident der Deutschen Demokratischen Republik, Wilhelm Pieck, auf Bitte des Zentralrates der FDJ der Jugendhochschule das Recht, seinen Namen zu tragen. Das fand einen guten Widerhall bei vielen jungen Menschen im Osten Deutschlands. Wilhelm Pieck war für die junge Generation eine Vaterfigur. Nicht wenigen war sein antifaschistisches Wirken gegen den Krieg und später für ein neues demokratisches Deutschland bekannt. Vor allem aber schätzten sie sein Vertrauen in die Jugend, seine Menschlichkeit und seine Herzlichkeit, die sie spürten, auch ohne ihn persönlich zu kennen. Wer wie ich das Glück hatte, Wilhelm Pieck - wenn auch nur kurz - persönlich kennen zu lernen, für den hat sich das, was diese „Vaterfigur“ ausmachte, durch seine Erlebnisse noch tiefer eingeprägt. Ich hatte zweimal dieses Glück.

Die erste Begegnung mit Wilhelm Pieck fand auf der Abschlusskundgebung der am ersten Deutschlandtreffen der Jugend in Berlin teilnehmenden Jungen Pioniere Ende Mai 1950 in der Wuhlheide statt. Sie endete mit einem großen Feuerwerk. Wilhelm Pieck saß in der ersten Reihe, gleich am Mittelgang. Ich etwa 100 Meter direkt hinter ihm. Das Feuerwerk war schön, aber es dauerte sehr lange. Ich fand, zu lange. Meine Gedanken wanderten. Plötzlich überlegte ich: Könnte ich mich nicht die kurze Strecke vor zu Wilhelm Pieck wagen und ein paar Sätze mit ihm sprechen? Woher nahm ich den Mut, diesem Gedanken plötzlich nach zu gehen? Ich lief den Mittelgang entlang bis zur ersten Reihe, bis zu Wilhelm Pieck. Kein Sicherheitsposten hielt mich zurück. Ich stellte mich vor: Helmut Steinbach, Pioniersekretär in der FDJ - Kreisleitung Chemnitz. Wilhelm Piek bat mich, neben sich Platz zu nehmen. Worüber wir im Detail gesprochen haben, weiß ich nicht mehr. Aber in Erinnerung ist mir geblieben, dass Wilhelm Pieck mir viele Fragen stellte. Ich glaube, ich habe sogar vergessen, mich für das Gespräch zu bedanken. Aber er tat es. Daran erinnere ich mich noch. Und er bat mich, den Chemnitzer Pionieren viele Grüße auszurichten. Das habe ich dann zu Hause unter dem Jubel unserer Pioniere getan.

Das Gespräch war sicherlich nicht spektakulär. Aber es hat sich bei mir bis heute tief eingeprägt. Wilhelm Piek habe ich so kennen gelernt, wie ich ihn mir schon immer vorgestellt hatte.

Die zweite Begegnung mit Wilhelm Pieck hatte ich am 1. Dezember 1954. Wir waren eine Delegation von 11 Lehrern und Schülern der Jugendhochschule, die Wilhelm Pieck zu sich in  seinen Amtssitz Schloss Niederschönhausen eingeladen hatte. Ich gehörte dieser Delegation als Leiter der Jahreslehrgänge an. Wilhelm Pieck nahm sich einen ganzen Nachmittag Zeit für ein intensives Gespräch mit uns und für das gegenseitige persönliche Kennenlernen.

Als wir die Einladung des Präsidenten erhielten, stellten wir uns natürlich die Frage: Was erwartet uns auf diesem Empfang?  Und auch: Was erwartet Wilhelm Pieck von uns?  Seitdem sind 60 Jahre vergangen und ich müsste meine damaligen Aufzeichnungen hervorkramen und auch die damalige Presse, um diese Fragen über den Inhalt des Besuches detailliert beantworten zu können. Leichter schon fällt mir die Erinnerung an die emotionale Seite. Uns beschäftigte nicht weniger:  Wie muss man beim Präsidenten auftreten, wie sich „benehmen“? Ich weiß, wir stellten eingangs auch gleich dem Chef der Privatkanzlei, Staatssekretär Opitz, diese Frage. Und der hatte eine einfache Antwort: Stellt Euch immer vor, dass Ihr bei einem guten, hilfreichen und erfahrenen, aber auch fordernden Vater seid. Dann könnt Ihr nichts falsch machen. Als sich dann die Tür des Arbeitszimmers Wilhelm Piecks öffnete, wuchs unsere Aufregung. Aber sie war sogleich verflogen, als unser hoher Gastgeber uns freundlich lächelnd mit dem damals üblichen Gruß der FDJ „Freundschaft“ empfing. Das machte es uns leicht, dann unverkrampft mit ihm über unsere Schule, die Arbeit, über unsere Erfolge, aber auch über unsere Probleme zu reden. Meine knappen Eintragungen im Fotoalbum sagen aus, dass wir über zwei Stunden intensive Gespräche führte. Dann führte uns Wilhelm Pieck in sein Arbeitszimmer und zeigte uns die Geschenke, die er von Delegationen aus der DDR und aus dem Ausland erhalten hat, von Tagebüchern bis zu wertvollen Elfenbeinschnitzereien aus China und Indien.

Als wir das Schloss Niederschönhausen verließen, waren wir um viele Erfahrungen reicher geworden, auch um viele Erkenntnisse über die Persönlichkeit Wilhelm Piecks selbst. Mit Freude und etwas stolz betrachte ich auch heute noch das Foto, das unsere Delegation gemeinsam  mit Wilhelm Pieck zeigt und für das Einbandtitelblatt des Buches „Wilhelm Pieck an die Jugend“ ausgewählt wurde.  

Diese meine Erinnerung an Wilhelm Pieck soll keine nostalgische Betrachtung der deutschen Geschichte sein. Der Untergang des „real existierenden Sozialismus“, auch in der DDR, gab uns viel zu lernen auf. Auch wesentliche Fehler und Mängel dieser neuen Gesellschaft, die mit legitimen Ansprüchen ins Leben getreten war, durften bei der Geschichtsanalyse nicht außer Acht gelassen werden. Sie sind auch aus dem Leben und Wirken Wilhelm Piecks nicht auszuklammern. Aber das kann nicht Gegenstand meiner Erinnerungen zum Jahrestag der Namensgebung der Jugendhochschule sein. Und vor allem: Sie machen nicht das Wesen der Persönlichkeit Wilhelm Piecks aus.

Ein unvergessliches Erlebnis

Vorlesung Wilhelm Piecks am 27. Februar 1952, Seminargespräch
Vorlesung Wilhelm Piecks am 27. Februar 1952, Seminargespräch
Seminarpause, Wilhelm Pieck im freundschaftlichen Gespräch mit Freunden des 1. Einjahreslehrganges am 27. Februar 1952
Seminarpause, Wilhelm Pieck im freundschaftlichen Gespräch mit Freunden des 1. Einjahreslehrganges am 27. Februar 1952
Wilhelm Pieck setzte sich vielfältig für die Entwicklung der Schule ein. Besichtigung einer Ausstellung über die Leistungen und Ergebnisse des 1. Einjahreslehrganges anläßlich seines Besuches am 27. Februar 1952
Wilhelm Pieck setzte sich vielfältig für die Entwicklung der Schule ein. Besichtigung einer Ausstellung über die Leistungen und Ergebnisse des 1. Einjahreslehrganges anläßlich seines Besuches am 27. Februar 1952

Von Gerta Burckhardt, Lehrerin und Lehrstuhlleiterin an der Jugendhochschule „Wilhelm Pieck“

Mit Freude habe ich zur Kenntnis genommen, dass der Arbeitskreis Geschichte der Jugendhochschule „Wilhelm Pieck“ im September 2015 den 65. Jahrestag der Verleihung des Namens des ersten Arbeiterpräsidenten Wilhelm Pieck würdig begehen will. In diesem Zusammenhang habe ich mich an ein persönliches Erlebnis mit Wilhelm Pieck erinnert, das ich niemals vergessen werde.

Es geschah Anfang des Jahres 1952. Ich war damals als Assistentin an der Landesjugendschule der FDJ Wilhelmstal bei Eisenach tätig.
An einem schönen Frühlingstag saß ich in meinem Zimmer am Schreibtisch und arbeitete irgendetwas aus. Vom Fenster meines Zimmers aus konnte ich die Toreinfahrt zum Objekt der Schule sehen. Diese war damals wegen der Nähe zur innerdeutschen Grenze ganztägig bewacht. Besucher kamen nur mit vorheriger Anmeldung durch.

Mit großer Verwunderung sah ich auf einmal, wie die Wache das Tor aufriß und einen besonders großen PKW Marke SIL passieren ließ. Der Wagen fuhr langsam die Auffahrt zum Schulgelände herauf und hielt am Eingang. Zu meinem großen Erstaunen erkannte ich unter den Aussteigenden Wilhelm Pieck, den Präsidenten der DDR. Unfaßbar! Zugleich erschrak ich. Niemand war zur Begrüßung da! Voller Panik rannte ich in den Lektionssaal, wo sich die Studenten befanden und rief: “ Alle heraustreten zur Begrüßung des Präsidenten Wilhelm Pieck!“
Obwohl der Dozent zunächst dachte, ich sei verwirrt, rannten nach meiner erneuten Bestätigung die Jugendlichen in das Foyer, um mit Beifall und Hochrufen (nicht eingeübt!) den hohen Gast zu begrüßen.

Es folgte eine Stunde herzlicher Begegnung. Der Präsident erkundigte sich nach den Lebens- und Studienbedingungen der FDJ-ler. Besonders interessierte er sich für den Lehrplan. Freimütig berichteten die Studenten über ihre Probleme. Gleichzeitig konnten sie Fragen an ihren Gast stellen, die dieser ebenfalls zwanglos beantwortete.
Die Einfachheit, Volksverbundenheit und menschliche Wärme, die von ihm ausging, haben mich stark beeindruckt. Ich war froh, eine solche Persönlichkeit als Präsident unseres Staates zu wissen.

Herzlicher Empfang einer Delegation der Jugendhochschule im Amtssitz Schloß Niederschönhausen am 1.12.1954, Links von W. Pieck: H. Steinbach
Herzlicher Empfang einer Delegation der Jugendhochschule im Amtssitz Schloß Niederschönhausen am 1.12.1954, Links von W. Pieck: H. Steinbach
Gastgeber und Gäste im freundschaftlichen Gespräch
Gastgeber und Gäste im freundschaftlichen Gespräch
... besucht von tausenden Mitgliedern der FDJ und befreundeter Jugendorganisationen aus Afrika, Lateinamerika, Asien und Europa
... besucht von tausenden Mitgliedern der FDJ und befreundeter Jugendorganisationen aus Afrika, Lateinamerika, Asien und Europa