Ein bedeutendes Dokument deutscher Militärgeschichte

Unser Aufruf "Soldaten für den Frieden" ein Jahr nach seiner Verkündigung

  • Aufrufe, Appelle, Willensbekundungen haben im aktuellen politischen Geschehen meistens nur einen Bezug auf bestimmte Ereignisse und Entwicklungen;
  • unser Aufruf vom Mai vergangenes Jahres unterscheidet sich von derartigen politischen Aktionen,
  • ursprünglich war er gedacht als Standpunkt unserer beiden Vereine zum 70.Jahrestag des Sieges, eingebettet in die politischen Stimmungslage vor einem Jahr;
  • er wurde aber, ohne das wir das im Voraus so erwartet hatten, nunmehr zu einem  

  bedeuteten Dokument deutscher Militärgeschichte
  Er sucht seines gleichen in der deutschen Militärgeschichte.

Es ist schon ungewöhnlich, dass die gesamte Generalität und weitere Führungskader einer Armee (immerhin mehr als 100) sich an die Öffentlichkeit wenden und zum Frieden aufrufen. Mit jedem Unterzeichner wurde ein Gespräch geführt und sein Einverständnis eingeholt.

Wir als Führungskader, haben 34 Jahre eine kampfstarke, stets gefechtsbereite Armee geführt und dafür gesorgt, dass die Waffen, im Interesse der Menschheit, nicht zur Anwendung kamen. Unser Verhalten als Führungskräfte einer anerkennten guten Armee, war nicht Ausdruck unserer Schwäche und Unfähigkeit, entsprach auch nicht  unseren Selbstzweck und unserem Eigensinn.

Unser Verhalten beruhte auf der proklamierten  Friedensdoktrin unseres Staates und seiner Verfassung. Unser Staat die DDR hat die Lehren des 2. WK anerkannt und umgesetzt: "Nie wieder Krieg". Unser Handeln war auch stets abgestimmt mit den Ländern des Warschauer Vertrages.

Für uns Militärs war es ein Aktionsprogramm. Wir haben nicht allein, aber ganz aktiv mitgeholfen einen Waffengang zu verhindern, der für die Menschheit grausame Folgen gehabt hätte. Es war auch programmierte Politik der DDR die Waffen nie gegen das eigene Volk einzusetzen. Wir standen als Militär also nicht im Widerspruch zu politischen Führung der DDR. Leider wird das oft behauptet. Dabei bezieht man sich auf Egon Bahr. An sich ein realistischer sozialdemokratischer Politiker. Er soll sich Ende 1990 wie folgt geäußert haben:

"Zur Geschichte der NVA gehört, das sie lange vor der Wende, wozu damals Mut gehörte, der politischen Führung klar machte, dass sie sich nicht gegen das Volk einsetzen lässt."

Die Frage sei wohl erlaubt: "Wer hat hier wem was klar gemacht? Welcher  Führungskreis der NVA hat bei welcher politischen Führung  wann vorgesprochen und das geäußert? Keiner kann dafür einen Beweis liefern. Das wird immer wieder als Argument benutzt, um nachzuweisen, dass die Armee für den Frieden war und gegen den Einsatz von Waffen gegen das eigene Volk, aber die politische Führung der DDR andere Absichten hegte. Auch weitere sozialdemokratische Politiker benutzen immer wieder dieses Argument. Hier wird der Versuch unternommen die NVA gegen die politische Führung der DDR auszuspielen. Wir haben als NVA im Interesse unserer Staatsdoktrin gehandelt und die Verfassung der DDR durchgesetzt.

(Artikel 7 und Artikel 8).

Die DDR hat mit ihrer Politik des Friedens und die NVA als deren Machtorgan über 40 Jahre einen aktiven Beitrag geliefert dass in Europa nach dem verheerenden 2. WK mit über 50 Millionen Toten endlich die Waffen geschwiegen haben.

Mit recht können wir behaupten, damit eine Ausnahmeerscheinung in der deutschen Militärgeschichte zu sein. 

Vorwiegend ist die deutsche Militärgeschichte geprägt von Kriegen, Bedrohung der Völker, von Aggressivität, von Einschüchterung und militärischer Durchsetzung der Interessen des deutschen Kapitals. Das letzte Jahrhundert und das gegenwärtige liefert dafür eindrucksvolle Beweise. (siehe 1. WK, 2.WK, Teilnahme der BRD an fast allen kriegerischen Konflikten der Gegenwart.)

Heute werden von unverbesserlichen antirussischen Strategen im Stile des kalten Krieges, angefangen von Obama,  über Merkel, van der Leyen, Gauck, über die NATO Generalität und die nicht zu bändigen Medien derart laut die Kriegstrommeln gegen Rußland geschlagen, das einige von Ihnen es gar nicht erwarten können wann es endlich los geht. Panzerverbände, Brigaden, Divisionen, Aufklärungseinheiten an die Ostgrenzen der NATO verlegt, bis 150 km vor Sankt Petersburg, verbunden mit permanenten Manövern und militärischen Drohgebärden, um der" Gefahr aus dem Osten" zu begegnen. Das Inkraft setzen des berüchtigten Raketenabwehrsystem, zunächst in Rumänien, dann in Polen. Neue Militärische Aufrüstung der BRD - siehe Vergrößerung der BW.

Dann empört man sich noch darüber, dass die Russen bereit sind ihnen eine asymmetrische Antwort zu erteilen.

Offensichtlich haben diese Kriegsritter nichts aus der Vergangenheit gelernt.  Das Schicksal von Millionen europäischer Menschen  ist ihnen gleichgültig. Vor einen Jahr haben wir mit unseren Aufruf genau davor gewarnt. Wenn sie wenigsten ihre Glaubensbrüder ernst nehmen würden. Kein Geringerer als Wimmer hat sich vor wenigen Tagen zu Wort gemeldet und dieses Kriegsgeschrei schonungslos entlarvt. Jener Wimmer, der als einer der Ersten vergangenes Jahr unseren Aufruf begrüßte und unterstützte.

Dazu einige wörtliche Bemerkungen von ihm:

"Ohne Empfinden für die im deutschen Volk vorhandene Nachdenklichkeit und ohne Rücksichtauf unsere Nachbarn im Osten reißt man wieder die Klappe auf, wie Äußerungen hoher deutscher Offiziere im NATO Auftrag auf den altbekannten Schlachtfeldern des östlichen Europa deutlich machen.

Warum wieder deutsche Panzer vor Leningrad?

Bei uns im Lande scheint es eine klare Linie zu geben. Warum soll auf die berechtigten Empfindungen anderer geachtet werden? Erst recht, wenn es dabei um Menschen unseres größten Nachbarvolkes, den Russen, handelt.
Die neuen Beschlüsse der NATO oder das, was in der Vorbereitung zu scheint sein, ist doch eine klare Botschaft, die bewusst mit den schrecklichen Bildern der Vergangenheit spielt:

unsere Panzer stehen wieder 150 km vor Leningrad und damit dem heutigen St. Peterburg. Seit Jahren hat sich St. Petersburg herausgeputzt, ist eine strahlende Metropole geworden und der Sehnsuchtsort für Kreu7zfahrttouristen und andere Reisende. Die Stadt wird dem gerecht ist voller Leben und denkt europäisch, weil man dazu gehört und dazu gehören will.

Seit Jahren wird die russische Föderation vom Westen aus mit intensiver Hetze überzogen. Aber welches Signal  gibt der Westen dieser Stadt, die im 2.WK wie kaum eine andere Stadt mit dem Leid gleichgesetzt werden musste, wenn man an ihrer Stadtgrenze NATO-Panzer auffahren lässt?

Die Begründungen für einen NATO Truppenaufmarsch sind an den Haaren herbeigezogen und dienen nur den amerikanischen Vormacht-Denken. 

Mit dem Krieg gegen Belgrad haben die USA den Krieg nach Europa zurückgeholt und lassen ihm vermutlich mit den jüngsten Entscheidungen in eine globale Dimension wachsen.

Es ist offenkundig, dass sich in der russischen Föderation dagegen die Gedanken an den "große vaterländischen Krieg" mobilisiert werden.

Der Obama Kriegsrat wird in die Geschichte eingehen. Obama fordert - Berlin gehorcht."

Soweit die klare eindeutige Sprache von Willi Wimmer. Besser kann man es nicht deuten, was gegenwärtig das Säbelrasseln bedeutet.

Ich hatte die Gelegenheit in den 60-er Jahren 4 Jahre in dieser wundervollen Stadt zu leben und zu studieren. In den vielen Begebenheit mit Menschen in dieser Stadt habe ich nicht einen Einzigen gefunden der von Hass gegenüber dem deutschen Volk gesprochen hat. Wohl aber vom Hass gegenüber den deutschen Faschisten. Die Menschen werden nie vergessen was die deutschen Aggressoren dieser Stadt in Jahren des Krieges angetan haben. Über eine Million Leningrader sind bei lebendigen Laibe verhungert und erfroren durch die faschistische Blockade. Mehr als 2 1/2 Jahre haben die Leningrader unter unsäglichen Bedingungen heldenhaften Widerstand geleistet. Leningrad wurde zu einer wahren Heldenstadt Das bleibt für Generationen im Gedächtnis haften.

Wie erbärmlich und antihuman sind dagegen die neuerlichen Kriegspläne St. Peterburg mit aktuellen Panzerverbänden der NATO zu bedrohen.

Auch deshalb bleibt unser Aufruf "Soldaten für den Frieden" als historisches Dokument heute noch aktuell und sollte jeden dieser Kriegstrommler als Mahnung ins Stammbuch geschrieben werden. Auch hohe Militärs tragen hohe Verantwortung, nicht nur für ihre Soldaten, sondern für ihr Verhalten in der Gesellschaft, für ihr Verhalten gegenüber der Menschheit. Wir haben das 40 Jahre unter Beweis gestellt und nehmen noch heute diese Verantwortung wahr.

Deshalb  wiederholen wir unsere Forderungen aus dem Aufruf:

  • wir brauchen keine Kriegsrethorik, sondern Friedenspolemik;
  • wir brauchen keine Kriegshetze gegen Russland, sondern mehr gegenseitiges Verständnis und ein friedliches Neben- und Miteinander;
  • wir brauchen keine Auslandseinsätze der BW und keine Armee der EU;
  • wir brauchen nicht mehr Mittel für militärische Zwecke, sondern mehr Mittel für humanitäre und soziale Erfordernisse;
  • wir brauchen keine militärische Abhängigkeit von den USA, sondern mehr Eigenverantwortung für den Frieden;

Statt einer "schnellen Eingreiftruppe der NATO" an den Ostgrenzen und Panzer-NATO Verbänden vor den Toren Moskaus und St. Petersburg brauchen wir mehr Tourismus, Jugendaustausch und Friedenstreffen mit unseren östlichen Nachbarn.

Wir brauchen ein friedliches Deutschland in einen friedlichen Europa.  

Deshalb sind wir gut beraten in Gegenwart und Zukunft wenn es um Krieg und Frieden geht immer wieder auf den Aufruf zurückzugreifen.

Wie muss man die gegenwärtigen Aktivitäten mit unseren Aufruf einschätzen?

  • Eindrucksvoll wurde das bei allen Feierlichkeiten zum 60. Jahrestag der NVA unter Beweis gestellt. Besonders unsere Genossen aus den Vorständen unseres Verbandes, dem Ältestenrat und dem Vorstand von ISOR haben bei vielfältigen Veranstaltungen, einschließlich der Auftritte bei "Rotfuchs" die Bedeutung unseres Aufrufes hervorgehoben. So die Genossen Theo Hoffmann, Fritz Streletz, Horst Stechbarth, Manfred Grätz, Sebald Daum, Friedthjof Banisch, Gerhard Matthes, Manfred Volland, Horst Parton, Horst Bischoff, Hans Fischer, Horst Sylla, Manfred Joschnikies, Heinz Bilan, Klaus Wiegand, u.a. Sowohl in mehreren Veranstaltungen in Berlin, Demen, Eggesin, Rostock, Magdeburg, Halberstadt, Chemnitz und anderen Orten stand im Zusammenhang mit der Würdigung der NVA auch unser Aufruf als Ausdruck des Friedenswillen immer wieder im Mittelpunkt der Ausführungen.

  • Bei der Abschlussveranstaltung der diesjährigen Ostermärsche in Berlin wurde unser Aufruf mit seinen wesentlichen Aussagen zitiert.

  • "ISOR aktuell" würdigt in der Mai Ausgabe 2016 unseren Aufruf mit einem Leitartikel von Laura Wimmersberg  Vors. der Berliner Friedenskoordination "Der Frieden ist nicht alles, aber ohne Frieden ist alles nichts";

  • ausführlich geht man im Buch von Volker Hermsdorf im Gespräch mit Hans Modrow, Fritz Streletz und Klaus Eichner "Kuba, Aufbruch oder Abbruch" auf den Aufruf ein und würdigt ihm als einen wichtigen Beitrag im Kampf um die Erhaltung des Friedens;

Unser Aufruf hat auch nach einem Jahr nichts an seiner Bedeutung, an seiner Aktualität eingebüßt.

Deshalb sollten wir alle dieses Dokument auch als bedeutendes Dokument unserer beiden Vereine für die gegenwärtige Arbeit betrachten und behandeln. Es hat das Ansehen unserer beiden Vereine als gesellschaftliche Kräfte um die Grundfrage der Zeit, Krieg oder Frieden, weiter gestärkt.


GL a.D. Manfred Volland